Anna Jaskola

Porträtbild von Anna

Wetter in mir 

Welches Wetter ist in mir, fragen Sie sich? Naja, die Antwort ist eigentlich schon klar: Hitze. Kälte. Starker Regen oder Dürre. Nichts anderes, nichts dazwischen. Nein, warten Sie, nein, das kann doch gar nicht so sein. Wenn wir realitätsnah bleiben möchten, dann wäre das eher: Hitze und Kälte und Regen und Dürre. Denn wie soll ich nur mit einem bestimmten Wetter leben? Wie soll ich auf diese Weise funktionieren? Die Hitze schenkt mir zwar die Freude, die Motivation und die Energie, dennoch kann sie auch überfordern und sehr schnell das Positive aus mir herausreißen. Die Kälte ist eine Entspannung, eine Zeit nur für sich selbst. Diese ist natürlich genießbar, doch nach längerer Zeit wird sie unerträglich. Der Regen gibt mir Hoffnung, er schenkt mir eine Möglichkeit, neu zu wachsen und mich neu zu bilden. Aber ständiger Regen wäre für mich auch nicht gut, schließlich würde ich dann nur in mir selbst versinken. Die Dürre wäre somit ein guter Kontrast zun Regen, aber alleine kann sie auch nicht wirken. Wie jedes andere Wetterphänomen. Ich meine, was für ein Mensch wäre ich, wenn es keine Gleichheit und Einheit in mir gäbe? Ein „Unmensch“ würde ich sogar behaupten. 


Personenbeschreibung

Es war 21 Uhr, alle verließen das Arbeitsgebäude außer ihr, der Gründerin der Firma „FINEtastic“, Svenja Gooseling. Oder wie sie sich selbst nannte „Luxury Gooseling“. Stolz saß sie auf ihrem äußerst bequemen Sessel in ihrem Managementzimmer. Kaltes Licht drang in das Zimmer ein und kühle Luft sorgte für rote Wangen in ihrem Gesicht. Aber das störte sie nicht. Es war wirklich faszinierend, was sie alles erreicht hatte. Erzogen auf einem kleinem Dorf, mit einer Familie, die seit Jahren für ihre Konfitürenproduktion bekannt war, gab es keine goldene Zukunft für sie. Es war natürlich vorgesehen, dass sie die Tradition der Familie weiterführen sollte. Sie sah das aber immer anders. Ihr Ehrgeiz hatte sie nach dem Abitur gleich aus ihrem Heimatdorf weggeschoben. Nur damit sie nicht mehr Kontakt zu diesen lächerlichen unerfolgreichen Menschen hatte, die sie als Familie bezeichnen musste. Bereits während ihres Studiums hatte sie mit kleinen Schritten zum beruflichen Erfolg begonnen. Kleine Nebenjobs hatten dafür gesorgt, dass ihr Lebenslauf von allen möglichen Erfahrungen geprägt war. Deswegen hatte sie kein Problem, eine richtige Arbeit zu finden. Aber auch das war nicht genug. Sie begann endlich mit ihrer eigener Firma. Durch die Kontakte, mit denen sie sich bereits versorgt hatte, war es für sie möglich, schnell Mitarbeiter zu finden. Und schon nach ein paar Monaten, war ihre Firma offiziell eine der berühmtesten in dem ganzen Land. Nach einer Weile auch in der ganzen Welt. Na klar, hatte das etwas gekostet: sie identifizierte sich nicht mehr mit ihrer Familie, hat alle Kontakte aus ihrer Jugend abgebrochen, weil sie ihr zu „unwichtig“ waren und ihre Mitarbeiter hat sie nur mit dem Mindestlohn bezahlt. Schließlich brauchte sie viel Geld, um weiter an der Spitze zu bleiben. Eigentlich hatte sie alles erreicht, was sie immer wollte: eine stabile Firma, große Mengen an Geld, Berühmtheit und Anerkennung. Und trotzdem saß sie  heute um 21 Uhr in ihrem Managementzimmer ganz allein. Ohne Unterstützung, ohne jemanden, der auf sie draußen warten würde. Nur sie und der Erfolg. So sollte es auch sein.