Ernährungsarmut ist weit verbreitet
Rund 18 Prozent der Leipzigerinnen und Leipziger sind arm oder von Armut bedroht. Damit liegt Leipzig über der bundesdeutschen Armutsgefährdungsquote von 15 Prozent. Zu den von Armut bedrohten Personen zählen vor allem Alleinerziehende, Familien mit vielen Kindern, Menschen mit Migrationshintergrund und Ältere. Kinder und Jugendliche sind dabei besonders schwer betroffen.
Warum ist das so?
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Alleinstehende Bürgergeldempfänger*innen haben durchschnittlich 6,50 € pro Tag für Nahrung zur Verfügung; Kinder und Jugendliche haben nach Alter gestaffelt weniger. Leistungen für Asylbewerber*innen sind noch geringer angesetzt als die für Bürgergeldempfänger*innen.
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Die prozentualen Bürgergelderhöhungen liegen in der Regel unter der Teuerungsrate für Lebensmittel.
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Gesunde Lebensmittel wie frisches Obst und Gemüse, Nüsse, Hülsenfrüchte sind teurer als „leere Kalorien“.
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Die Verfügbarkeit von gesunden Lebensmitteln ist auch mit der Wohnumgebung verknüpft. Eine Leipziger Studie belegt, dass in deprivierten Gebieten wie Grünau-Nord und Neustadt-Neuschönefeld die Quote an Fast-Food-Anbietern mehr als doppelt so hoch ist wie im privilegierten Vergleichsgebiet Schleußig. Die Altbaugebiete verfügten dabei über eine 70% höhere Angebotsvielfalt als das Plattenbaugebiet
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Über das Förderprogramm „Leistungen für Bildung und Teilhabe“ (BuT) kann auch ein kostenfreies Gemeinschaftsessen für Kindergarten- und Schulkinder beantragt werden.
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Wegen der großen sozialen Scham, aber auch wegen der bürokratischen Hürden nehmen nicht alle Berechtigten dieses Angebot in Anspruch. Beispielsweise muss je nach Voraussetzung ein Teil der Berechtigten diese Leistung halbjährlich für jedes Kind gesondert beantragen.
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Bei Bewilligung wird ein Gutschein zur Verfügung gestellt, der dem Essenversorger vorzulegen ist, damit dieser dann mit dem jeweils zuständigen Amt die Kosten direkt abrechnen kann. Die Antragsbearbeitungszeiten von Sozialleistungen können bis zu sechs Monaten dauern.
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Etablierte Hilfsstrukturen wie die Tafeln können den gestiegenen Bedarf nicht mehr abdecken.
- Multidisziplinäre Erhebung der Ernährungs- und Gesundheitssituation von Personen in armutsgefährdeten Haushalten mit Kindern, Link zur Studie.
- Stadtteildeprivation und Lebensmittelumwelt: Zusammenhänge von sozialen und baulichen Merkmalen der Wohnumgebung und Lebensmittelverfügbarkeit Link zur Studie.