Die Höfechiller
(von Lilly und Merle)
Born in den Höfen, zum Macher gemacht
Mit Chayas chillen, damit wird der Tag verbracht
Yolo, das ist unser Motto,
Hast du keine Aura, dann bist du nen Otto!
Sonntag ne Demo mit der Antifa
Wir sind links, das ist doch klar
Der Boomer sagt, wir sind links-grün-versifft
Gen-Z, zu faul, die sind alle Gift
Da sagt ich nur »Nein Pascal, ich denke nicht«
Sonst spuck ich dir in dein Gesicht
Abhängen auf der Sachse, Club Mate ist Ehre
Wenn du sie nicht fühlst, dann Schere!
Boomer sind peinlich, sie checken uns nicht
Dabei sind wir lost, genauso wie dieses Gedicht
Gedichtantwort auf das Gedicht „Geborn an dr Bleiße“ von Lene Voigt
Hier nachzulesen: https://www.leipzig-lese.de/streifzuege/mundartliches/geborn-an-dr-bleisse/
Perspektivwechsel
Im Regen 1
Es ist ein verregneter Morgen Anfang Herbst. Kein Mensch und kein Auto sind weit und breit zu sehen. Wenn es nur ein kleines bisschen kälter wäre, würde es hageln. Der Wind pustet die letzten Blätter von den Bäumen und auch die letzten Vögel sind auf dem Weg in den Süden. Sie sitzt mit einer Decke und einer Tasse Tee am Fenster, schaut zu wie die Regentropfen die Scheibe hinunterlaufen und denkt sich: zum Glück! Eigentlich wäre sie heute mit ihren Freunden an den See gefahren, ein letztes Mal bevor es wieder richtig kalt wird, aber wegen des Wetters haben sie sich entschieden, lieber nicht zu gehen. Sie hatte ohnehin nur zugesagt, um nichts zu verpassen, um am Montag in die Schule zu kommen und mitreden zu können. In Wirklichkeit hatte sie keine Lust gehabt, auch am Wochenende mit denselben Leuten auf einem Haufen zu hocken, mit denen sie ohnehin schon Montag bis Freitag in der Schule ist. Sie braucht Abstand, mal ein bisschen Zeit für sich, die sie jetzt durch den Regen bekommt. Jetzt kann sie ein Buch lesen, eine Serie schauen, Schokolade essen, einfach abschalten. Natürlich mag sie ihre Freunde, sonst würde sie sie nicht so nennen. Aber neben Schule und Hobbys bleibt wenig Zeit für sich, und so verbringt sie den Regentag allein in ihrem Zimmer und ist so glücklich wie schon lange nicht mehr.
Im Regen 2
Die laute Musik dröhnt in ihren Ohren. Sie sitzt in ihrem Kleiderschrank in der Dunkelheit und lässt die Tränen einfach laufen. Sie passen zum Regen, der draußen die Fensterscheibe ihres Zimmers hinabläuft. Der Regen hat mindestens diesen, wahrscheinlich auch den nächsten Tag versaut. Schon die ganze Woche hatte sie sich auf heute gefreut, darauf rauszukommen, aus dem stressigen Schulalltag und ihrem Zuhause mit zwei kleinen, lauten Geschwistern und den strengen Eltern. Noch einmal abschalten vor dem kalten Winter, der sie dazu zwingt, zu viel Zeit zuhause zu verbringen. Vor ihrer Zimmertür schiebt ihre Schwester einen Wutanfall, den dritten heute, und es ist gerade mal um zehn. Eigentlich wäre sie jetzt schon am See gewesen, aber alle hatten wegen des Regens nach und nach abgesagt und allein lassen sie ihre Eltern nicht gehen. Im Flur klopft ihre Mutter gegen die Zimmertür und ruft nach ihr, vermutlich damit sie ihre Schwester beruhigt. Das muss die oft machen und normalerweise macht es ihr nichts aus, aber heute dreht sie die Musik einfach lauter und hofft, dass es möglichst schnell Montag wird und sie ihre Freunde wiedersehen kann.