Miriam Elisabeth Krause

Porträtfoto Miriam

„I have a dream …“

Ich wünsche mir ein Leipzig, das sich verhält.

Ein Leipzig, das die Nase rümpft und Stellung bezieht.

Ein Leipzig, auf dessen Straßen Platz für alle ist,

in dessen Parks sich jeder wohlfühlen kann.

 

Ein Leipzig, das warm und offen ist.

Ein Leipzig mit breiten Wegen und hellen Nächten,

mit Kinderlachen und Straßenmusik,

mit Sommerregen und offenem Haar.

 

Ein Leipzig ohne enge Gassen,

ohne dunkle Heimwege,

ohne Freund am Telefon

und Feuerzeug in der Hand.
 


Figurenentwurf - Lajos Egri

Er wurde im Dunkeln geboren, in einer warmen Sommernacht. Seine Eltern nannten ihn Lajos Egri. Er sollte Hirte werden. Als Kind spielte Lajos gerne mit den Stiften seines Vaters. Mit alten Zeitungen seiner Mutter lernte er früh lesen. Lajos wurde älter. Mit 18 wusste er, dass er weder Schafe züchten, noch eine Familie gründen wollte. Lajos träumte von einer Welt, in der die Stimmen der ganz Kleinen gehört werden. Er wusste noch nicht, dass er selbst den Weg zu dieser Welt ebnen würde.

Jetzt ist Lajos 68. Er hat einen weißen Bart und buschige Augenbrauen. Sein Kinn ist rund, doch sein Gesicht hat etwas Eckiges. Seine Stirn ist faltig und seine Augen sind fast immer halb geschlossen. Lajos ist müde, er hat viel gelesen. „Manchmal kommt er tagelang nicht aus seinem Arbeitszimmer“, erzählt seine Frau den Enkeln. Sie machen große Augen und fragen: „Warum denn, Oma?“. Sie lächelt müde und seufzt: „Wenn ich das wüsste …“.

Lajos schlägt das dicke Buch zu, das vor ihm auf dem dunklen Holztisch liegt. Er schließt die Schubladen seines Schreibtischs. Eine verschließt er mit dem Schlüssel, den er immer bei sich hat. Er steht auf. Geräuschlos schiebt er den Stuhl zurück an seinen Platz. Er geht zur Tür des Arbeitszimmers, seine Hüfte schmerzt und seine Augen flimmern. Er hält kurz inne und stützt sich auf die Klinke der Tür. Er zieht Luft durch die krumme Nase. Dabei denkt er, dass er in einer Kurzgeschichte der perfekte geheimniskrämerische Alte wäre.