Für uns als Veranstalter war die neunteilige Reihe ein großer Erfolg. Das Erzählcafé in der Stadtbibliothek wurde zum Ort, um sich mit Gleichaltrigen gemeinsam an die Alltagsgeschichte und -geschichten zu erinnern.
Für Susanne Metz, Direktorin der Leipziger Städtischen Bibliotheken, trugen das Format und die Kooperation mit der Stiftung zur Entwicklung der eigenen Angebote bei: „Im Erzählcafé haben die Gäste die Rolle der Autoren übernommen. Sie waren die aktiv Erzählenden und Zuhörenden. Das passt sehr gut zu unserem Anspruch, über den Verleih von Medien hinaus ein Ort des Lernens und der Begegnung zu sein.“
Michael Hofmann resümiert: „Wir wollten die Lebensgeschichte der Älteren würdigen und sie miteinander ins Gespräch zu bringen – offenbar haben wir mit dem Angebot einen Nerv getroffen." Er hat die Reihe konzipiert und moderiert.
Das Thema „Tanzen, Lust und Liebe“ im Februar war „der Renner“ und brachte uns an die Kapazitätsgrenzen. Es war zugleich das Thema, das starke Emotionen wach rief. Tanzlokale wie der Felsenkeller, das Schorschl und das Forsthaus Raschwitz waren präsent wie die Präsent-20-Hosen oder Petticoats, unvergessen die Auftrittsverbote für Leipziger Bands und Saalverweise wegen „amerikanischer Tanzweise“.
Ein Grundton zog sich durch alle Veranstaltungen: Die heute 70 bis 80jährigen Gäste sind stolz auf ihr Leben, vor allem auch stolz auf das im Beruf geleistete. Viele waren mit ihrem Lebensweg sehr zufrieden, würdigten die Qualität der Ausbildung und die in der Regel kostenfreien Möglichkeiten, zu studieren und sich weiterzuentwickeln. Der Lebensalltag war oft beschwerlich, aber mit viel Improvisationstalent wurde aus dem was gemacht, was man hatte oder was man sich mit Hilfe von Vitamin B beschaffen konnte.
So waren auch zu den eher ernsten Themen viele berührende Geschichten zu hören: Wie wohnte es sich mit Ofenheizung und Klo halbe Treppe? Wie schwierig war es in den 60er Jahren, sich mit Nahrungsmitteln und Kleidung zu versorgen? Sehr lebendig waren die Erinnerungen an die Freizeitvergnügen, an die Spiele der Kindheit. „Wir hatten nicht viel, aber Platz“ – so erinnert man sich an die Freiräume zum Spielen auf der Straße angesichts der damals geringen Zahl an Fahrzeugen.
Alle Erzählungen wurden aufgezeichnet und von fleißige Helferinnen zu Papier gebracht. 350 Seiten Material stehen uns als Grundlage einer Veröffentlichung zur Verfügung. „Wir werden das Material sichten, ein Konzept entwickeln und uns um eine Finanzierung kümmern,“ skizziert Michael Hofmann die nächsten Schritte.