"Ich habe die Stadt aus einem anderen Blickwinkel kennengerlernt"

Tamara
Tamara erzählt von ihrer Zeit als Wunderfinderin

Tamara, 17, war als Kind Wunderfinderin. Heute blickt sie auf die Zeit zurück und erzählt uns in einem langen Telefonat von ihren Erfahrungen, Träumen und wie es sich in Stuttgart, ihrer neuen Wahlheimat seit 2023, lebt.

Tamara, du bist 2015/2016 mit deinem Zwillingsbruder Pascal Wunderfinderkind gewesen. Erinnerst du dich noch an besondere Momente?

Oh ja! Ich erinnere mich an drei Sachen, aber wenn ich darüber nachdenke, fallen mir noch viel mehr ein.

Einmal sind wir irgendwohin gelaufen, ich wusste eigentlich nicht so richtig, wohin – wahrscheinlich hatte ich mal wieder nicht zugehört. Plötzlich standen wir vorm Uniriesen und vor den Treppen. Wir hatten alle Sorge, dass wir da jetzt rauflaufen müssen. Meine Patin hat dann so getan, als ob wir wirklich hoch müssten – wir sind sogar erstmal ein paar Stufen gelaufen, bevor sie uns dann erlöst und den Fahrstuhl geholt hat. (lacht)

Dann waren wir mal beim Bäcker. Die Bäckerin hat uns erklärt, wie das mit dem Teig funktioniert, ich fand`s total cool. Das war in so einem Einkaufscenter, die Backstube hatte riesige Fenster. 

Oder die Feuerwehr! Ich durfte eine Uniform anprobieren. Wir mussten ein Blatt ausfüllen und etwas über uns schreiben, und da hatte ich voll die Blockade. Wahrscheinlich war das mein erster „Test“, den ich gefailt habe. (lacht)

Und dann das Abschlussfest: Ich habe einen Brief und Fotos von meiner Patin bekommen, die habe ich auch noch. Das war in einem Garten, und der Weg dorthin war abenteuerlich. Am Eingang gab es so ein abgefahrenes Tor.

 

Hat die Wunderfinder-Zeit dich geprägt?

Total! Ich habe erfahren, wie die Welt funktioniert. Das hat mich sozial weitergebracht, weil ich als Kind nicht so viele soziale Interaktionen außerhalb der Familie hatte. Aber auf die Wunderfinder habe ich mich jedes Mal total gefreut, das war immer ein Highlight. Ich habe die Stadt aus einem anderen Blickwinkel kennengelernt – als Kind hätte ich ja nie einen Anlass gehabt, zur Feuerwehr zu gehen. Aber dann nimmt man plötzlich eine andere Perspektive ein und wächst als Mensch daran.

 

Du lebst jetzt in Stuttgart. Wie fühlt sich das an?

Ich bin durch und durch ein Leipziger Stadtkind. Stuttgart ist ein bisschen dörflicher, aber auch okay zum Leben. Man hat viele Chancen hier.

 

Gerade steckst du in den Abschlussprüfungen. Was kommt danach?

Mir schweben viele Dinge im Kopf. Sozialwesen interessiert mich, aber auch Führungspositionen. Ich würde gerne Projekte leiten. Mal schauen!

 

Wie verbringst du deine freie Zeit?

Ich treffe mich mit Freunden oder gehe in den Charlottenpark. Da ist eine sehr offene Szene, man kann sich einfach dazusetzen, irgendwen trifft man immer. Neulich war ich mit meiner Familie in der Therme. Und ein Piercing muss mal wieder gekürzt werden, da muss ich noch zum Piercer. Meine Haare schneiden entweder meine Freunde oder ich selbst, und meine Mutter hat mir neulich die Haare gefärbt. Jetzt sind sie schwarz mit pink, das gefällt mir richtig gut. Ich gehe immer wieder gerne aus mir raus. Außerdem engagiere ich mich politisch und sozial, in dem ich Demos unterstütze. Selbstausdruck ist mir wichtig.

 

Du hast gesagt, dass du gern selbst Patin wärst. Warum?

Ich hoffe, dass auch die Patinnen und Paten etwas aus der gemeinsamen Zeit mitgenommen haben. Wenn ich in Leipzig wäre und alt genug, würde ich das total gerne selber machen, da ich das kindliche Wunder aus anderer Sicht gerne miterleben möchte. Ein Ehrenamt bei den Wunderfindern steht auf meiner Bucketlist!