Es ist ein heißer Aprilnachmittag in Leipzig. Wir treffen uns im Büro der Bürgerstiftung Leipzig. Eigentlich wollen wir spazieren gehen, stattdessen setzen wir uns in den angenehm kühlen Vorraum der Stiftung. Dort, wo vor Jahren ihre gemeinsame Reise begann, begegnen sich heute wieder zwei Menschen, deren Wege sich über das Wunderfinder-Programm kreuzten – und deren Leben durch diese Patenschaft bereichert wurden.
Sawda, 16 Jahre jung, sitzt aufrecht da, akkurat geschminkt, voller Energie und mit einem strahlenden Lächeln. Ihr Gegenüber: Petra Freiesleben, 73 Jahre alt, sportlich aktiv, engagiert, gütig lächelnd – und seit zehn Jahren Patin im Wunderfinder-Programm.
„Ich war schüchtern. Heute kann ich vor der ganzen Klasse sprechen.“
„Vor der Wunderfinder-Zeit war ich ein sehr schüchternes Mädchen“, erzählt Sawda. „Ich habe mich wenig getraut, habe mich nicht oft gemeldet. Das hat sich erst mit der Zeit geändert – durch die Ausflüge, durch die Gespräche mit Petra. Ich habe gelernt, dass Menschen nett sein können. Dass man offen sein darf. Ich bin extrovertierter geworden, selbstbewusster.“
Sie kam als kleines Kind mit ihrer Familie aus Syrien nach Deutschland. Heute besucht sie die 10. Klasse einer Oberschule in Leipzig, steht kurz vor dem Abschluss. Ihr Ziel: Abitur machen, Pharmazie studieren. „Mir ist wichtig, dass ich fleißig bin – aber auch, dass ich mal Pause mache. Ich höre gern den Vögeln zu oder spreche mit meiner Mama. Sie ist meine beste Freundin.“
„Ich habe sie sofort gemocht“, erinnert sich Petra. „Schon als Kind hatte sie diesen Lebenswillen, diese Offenheit. Sie hat sich so für Musik interessiert, war voller Ideen. Ich wusste gleich: Das ist ein besonderes Mädchen. Und ich freue mich sehr, wie sie sich entwickelt hat.“
„Wunderfinder – das war wie eine Tür in eine neue Welt“
Was das Programm für Sawda bedeutete? Neue Freundschaften, Selbstvertrauen, erste Schritte in die ihr noch unbekannte Stadt. „Ich habe Orte kennengelernt, die ich sonst nie gesehen hätte. Ich erinnere mich besonders an den Ausflug in die Schokofabrik. Da durfte man Bonbons kosten – das war richtig schön! Meine Augen haben gestrahlt.“
Auch ihre Familie habe sie immer unterstützt. „Ich musste oft übersetzen, weil meine Eltern nicht gut Deutsch sprechen. Aber sie haben sich gefreut, dass ich rauskomme, dass ich mich verbessere – sprachlich und menschlich.“
Eine Verbindung, die bleibt
Petra, selbst Großmutter, fand über eine Freundin zur Stiftung. „Ich bin seit 2003 dabei, aber die Wunderfinder mache ich seit zehn Jahren. Es ist mir ein echtes Bedürfnis. Ich habe immer gespürt: Kinder geben so viel zurück.“ Mittlerweile teilt sie sich die Patenschaft mit einer anderen Frau – das funktioniere hervorragend.
„Manchmal merkt man beim Kennenlernen gleich: Das passt. So war es auch bei Sawda. Und auch wenn wir heute keinen regelmäßigen Kontakt mehr haben – wir haben uns nie ganz verloren.“
Für Sawda war Petra nicht nur Begleiterin, sondern Vorbild: „Sie war immer höflich, hatte die richtigen Worte. Ich konnte mit ihr über alles reden. Sie hat mich ernst genommen. Das war für mich neu – und wichtig.“
Nach knapp einer Stunde beenden wir das herzliche Gespräch. Swada hat am nächsten Tag eine Abschlussprüfung und muss noch mal in die Bücher schauen. Sie verrät es am Ende des Interviews, unterdessen von Nervösität oder Anspannung keine Spur. Es war ihr sehr wichtig, dieses Interview zu geben und für die Prüfung, lächelt sie selbstbewusst in die Runde, sei sie bereits bestens vorbereitet.