Es ist Frühling, der Himmel ist grau, der Wind pfeift um die Ecken – trotzdem ist es lebendig und leicht, als Joel, begleitet von seinem Paten Anselm, zum Interview in luftige Höhen des Uniriesen kommt. Schon einmal waren die beiden hier – damals mit Höhenangst. Heute mit vielen Erinnerungen und immer mal wieder einem mutigen Blick über die Balustrade gen Leipziger Osten. Hier wächst der inzwischen fast 12-jährige gemeinsam mit seinen Geschwistern bei seiner Mama auf und besucht die 6. Klasse in einer Oberschule.
Weißt du noch, wie du ein Wunderfinder-Kind geworden bist?
Mohamed aus meiner Schule hat davon erzählt. Ich fand das total spannend. Dann habe ich mich angemeldet – und es hat geklappt.
Du hast sogar zwei Jahre mitgemacht, richtig?
Ja, wegen Corona war im ersten Jahr vieles nicht möglich. Deshalb durfte ich noch ein zweites Jahr mitmachen – auch wieder mit Anselm.
Wer ist Anselm?
Anselm ist mein Pate. Er ist lustig. Also nicht, dass er Witze erzählt, aber wenn wir reden, dann lachen wir oft einfach so. Das macht Spaß. Ich glaube er ist Autor. Er schreibt Bücher. Welche, weiß ich nicht so genau.
Was war dein schönstes Wunderfinder-Wunder?
Die Oper. Wir durften hinter die Bühne schauen. Ich war zwar schon mal mit der Grundschule dort, aber so richtig hinter die Kulissen zu gucken – das war besonders. Es war spannend, wie viel Technik da ist. Und dass man mal sieht, wie so ein riesiger Ort von innen aussieht.
An welche weiteren Ausflüge erinnerst du dich gern?
Wir waren am Hauptbahnhof, da haben wir so eine Art Schnitzeljagd gemacht und zweimal im Zoo. Und einmal Eis essen in der Stadt, ganz spontan. Das war richtig schön. Und natürlich waren wir hier oben auf dem Uniriesen – das erste Mal war das für mich mit Höhenangst ganz schön aufregend.
Wenn dich jemand fragt, was das Wunderfinder-Programm eigentlich ist – was würdest du antworten?
Man hat einen Paten oder eine Patin, mit denen man Ausflüge macht – oder in einer Gruppe. Und man entdeckt einfach ganz viele neue Sachen in der Stadt.
Wenn du jemanden triffst, der noch nie etwas von den Wunderfindern gehört hat – was würdest du sagen?
Dass es was ganz Besonderes ist. Man erlebt Sachen, die man sonst nie machen würde.
Hast Du einen Geburtstagswunsch für das Wunderfinder-Projekt?
Ich wünsche dem Wunderfinder-Projekt, dass die Ausflüge immer schön bleiben. Für alle Kinder.
Berufswünsche im Wunderfinder-Wandel:
Joel träumt von der Baustelle – und ein bisschen noch von der Polizei
Als er jünger war, hatte Joel einen klaren Berufswunsch: Polizist wollte er werden. Beim Besuch mit den Wunderfindern auf der Polizeiwache durfte er Handschellen ausprobieren, in eine Zelle gehen und sogar Helm und Weste tragen. „Es gibt ein Foto davon“, erzählt er. „Das habe ich noch in meinem Wunderfinder-Heft.“
Heute sieht das ein wenig anders aus. Der Wunsch ist zwar nicht ganz verschwunden, aber Zweifel haben sich dazugesellt. „Man muss gut in Deutsch, Englisch und Sport sein. Das sind halt nicht meine besten Fächer“, sagt Joel ehrlich.
Stattdessen hat sich ein neuer Traum eingeschlichen: Maler, Bauarbeiter oder Elektriker möchte er werden. „Denn in Physik und Mathe habe ich mich verbessert und auf der Baustelle baut man Dinge auf. Man sieht, was entsteht.“ Zuhause werkelt er zwar (noch) nicht – „das wäre dann eher ein Job“ –, aber die Vorstellung reizt ihn.