Genau das Richtige

Leon
Leon – mein erstes und einziges Patenkind. Genau das Richtige.

Leon ist zwölf Jahre alt, besucht die Adolph-Diesterweg-Schule und lebt in Leipzig-Reudnitz, gleich um die Ecke vom soziokulturellen Zentrum Mühlstraße 14. Hier hat auch das Interview mit ihm stattgefunden, gemeinsam mit seiner Mutter und seiner ehemaligen Patin Kerstin Gogolek. Es ist ein ruhiger Nachmittag, ab und zu klingt Kinderlachen aus dem Nebenraum. 

Im Herbst 2021 startete Leon seine Wunderfinder-Zeit. Die Corona-Pandemie lief noch – aber das Projekt lief weiter. „Wir haben uns regelmäßig getroffen“, erinnert sich Kerstin. Trotz Einschränkungen haben sie entdeckt, erlebt, gefragt. 

„Wir haben viel gemacht“, erzählt Leon, „wir waren im Kino, auf dem Raketenspielplatz, in der Thomaskirche und im Straßenbahnmuseum. Das Schönste war, dass wir mit der Bahn auch mal von Endstelle zu Endstelle gefahren sind. Wir haben auch mal eine Straßenbahnfahrerin interviewt. Wir haben ihr Fragen gestellt – ich weiß nicht mehr genau welche, aber es war cool. Und ich hab mir von der LVB so einen großen Netzplan geholt – den hab ich immer noch.“

Heute besucht Leon die 6. Klasse und wirkt nachdenklich, wenn er über die Schule spricht. „Geht so“, meint er knapp auf die Frage, wie es ihm da so ergeht. „Ich würde lieber arbeiten.“ Berufswunsch? Immer noch Straßenbahnfahrer – „weil ich Menschen helfen kann“. Ein Satz, den heute er nicht mehr aussprechen will, aber der Patin Kerstin aus der gemeinsamen Zeit noch in Erinnerung ist. Es ist dieses feine Gespür seiner Patin, das durch das gesamte Gespräch begleitet: Dass Leon keine einfachen Antworten gibt – aber aufmerksame Begleitung spürt.

„Er war mein erstes und einziges Patenkind, aber es war genau das richtige.“, resümiert Patin Kerstin die gemeinsame Zeit und blickt berührt auf ihr ehemaliges Wunderfinder-Patenkind. 

Die Beziehung zwischen Leon und Frau Gogolek hat die offizielle Projektzeit aber überdauert. „Wir haben gesagt, wir treffen uns einmal im Jahr – letztes Mal haben wir`s verpasst, da hat er mich angerufen“, erzählt sie. Also gings spazieren, dann ins Café. „Eis essen in der Riebeckstraße“, sagt Leon mit einem kleinen Lächeln.

Auch seine Mutter erinnert sich gern an die gemeinsame Zeit: „Ich war begeistert. Leon hat viel erzählt, war richtig erfüllt von den Erlebnissen. Man hat gespürt, dass ihm das guttut.“ Für sie war es schön zu sehen, dass ihr Sohn Dinge erleben konnte, die außerhalb des familiären Rahmens lagen – mit einer Person, die sich einfach Zeit nahm.

Auf die Frage, ob ihm das Wunderfinder-Jahr gefallen hat? „Ja, das war gut.“

Leon wird demnächst in die siebte Klasse kommen. Ob er wirklich Straßenbahnfahrer wird, steht in den Sternen. Aber dass er weiß, was ihn interessiert, dass jemand mit ihm Endstelle bis Endstelle gefahren ist, dass ihm jemand zugehört und ihn ernst genommen hat – das bleibt. Ein großes Wunder war das vielleicht nicht. Aber ein echtes.